Workplace Health Literacy Wikipedia

Gesundheitskompetenz (Health Literacy):

Fähigkeit, gesundheitsfördernde Entscheidungen im Alltag zu treffen. Das Wissen, die Motivation und Fähigkeiten eines Menschen, um im Alltag relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und im Hinblick auf gesundheitsrelevante Entscheidungen anzuwenden und zu handeln, mit dem Ziel, gute Lebensqualität während des gesamten Lebens zu erhalten und zu verbessern. (BMG, 2012)

Gesundheit:

Gesundheit ist ein Zustand völligen körperlichen, geistig-seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht bloß die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechlichkeit. (WHO 1948)

Gesundheit stellt ein Potenzial und eine Fähigkeit dar, Lebensziele zu erreichen, das Leben zu gestalten und zu bewältigen, Gefühle zu regulieren und körperliche Bedürfnisse zu befriedigen. (WHO 1996)

Die Beeinflussungsfaktoren der Gesundheit sind einerseits der Lebensstil (Verhalten) und andererseits die Lebensbedingungen (Verhältnisse).

Gesundheit ist kein Zustand, kein Besitz, nicht einmal ein Ziel, sondern ein Weg. Ein Weg, der sich erst bildet, wenn man ihn geht. (Heinrich Schipperges)

Determinanten der Gesundheit:

  • Genetik: Alter, Geschlecht, Erbanalagen
  • Faktoren individueller Lebensweisen: Essen, Trinken, Rauchen, Verhaltensmuster
  • Soziale und kommunale Netzwerke: Freundschaften, soziale Kontakte zu Familie, Kolleginnen, etc.
  • Lebens- und Arbeitsbedingungen: Bildung, soziale Sicherheit, Versorgungssystem, Infrastruktur, medizinische Grundversorgung
  • Allgemeine Bedingungen der sozioökonomischen, kulturellen und physischen Umwelt: Wirtschaftslage, Rechtssystem, Medienlandschaft, ökologische Umwelt;

Salutogenetisches Gesundheitsmodell: Warum bleiben Menschen, die mit einer Vielzahl von Gesundheitsrisiken und Stressoren behaftet sind, trotzdem gesund, während andere krank werden? (Schiele et. al. 2000)

Salutogenetische Merkmale sozialer Systeme:

  • Vertrauensvolle Bindung
  • Zuwendung, Information, Anerkennung, Unterstützung
  • Gemeinsame Überzeugung
  • Mitarbeiterorientierte Führung

 

Gesundheitsschutz:

Der Gesundheitsschutz schützt vor Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Erkrankungen. Die Krankheit steht hier im Fokus. Der Arbeitnehmerinnenschutz wird im AnschG geregelt und ist verpflichtend für Unternehmen. Ziel ist die ArbeitnehmerInnen vor Krankheit zu schützen. Darunter versteht man Vorkehrungen und Aktivitäten, die den Schutz des Lebens und der Gesundheit der Menschen bei ihrer beruflichen Tätigkeit zum Ziel haben. Gesundheitsschutz fokussiert auf einen verhältnispräventiven Ansatz.

 

Gesundheitsförderung:

  • Die Gesundheitsförderung fördert das Wohlbefinden, durch die Steigerung der salutogenen Ressourcen durch die Anwendung von Maßnahmen aus dem Feld der Verhaltens und Verhältnisprävention. Das Wohlbefinden steht hier im Fokus.
  • Verbessern von individuellen Fähigkeiten der Lebensbewältigung zur Erhaltung der Gesundheit (Hurrelmann et. al. 2004)

 

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF):

Die BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. (Luxemburger Deklaration 1997. Die BGF basiert auf Freiwilligkeit. Dies kann durch eine Verknüpfung folgender Ansätze erreicht werden:

  • Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen
  • Förderung einer aktiven Beteiligung
  • Stärkung der persönlichen Kompetenzen
  • Entwicklung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements

 

Leitlinien in der Luxemburger Deklaration:

  • Partizipation (Einbeziehung der gesamten Belegschaft)
  • Integration (Berücksichtigung von BGF in allen UNbereichen und bei allen wichtigen Entscheidungen)
  • Projektmanagement (systematische Durchführung aller Programme und Maßnahmen)
    • Bedarfsanalyse
    • Prioritätensetzung
    • Planung und Durchführung
    • Kontinuierliche Kontrolle und Bewertung der Ergebnisse
  • Ganzheitlichkeit (Verhaltens- und Verhältnisorientierte Maßnahmen; Verbindung des Ansatzes von Risikoreduktion mit dem des Ausbaus von Schutzfaktoren und Gesundheitspotentialen

BGF ist eine moderne Unternehmensstrategie mit folgenden Zielen:

  • Krankheiten am Arbeitsplatz vorbeugen (einschließlich arbeitsbedingter Erkrankungen, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Stress).
  • Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz durch Verbesserung der Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen, Förderung einer aktiven Beteiligung der Mitarbeiterinnen, Stärkung persönlicher Kompetenzen). (BGF, Luxemburger Deklaration 1997)

Erste Qualitätskriterien:

  • Ganzheitliches Gesundheitsverständnis: geeignete Mischung von verhaltens- und verhältnisorientierten Maßnahmen sollen in der BGF umgesetzt werden, d.h. strukturelle Veränderungen ebenso wie individuumsbezogene Maßnahmen. Aktivitäten zur Risikoreduktion sind ebenso ein Bestandteil von BGF wie der Ausbau von Schutzfaktoren und Gesundheitspotentialen.
  • Partizipation: Miteinbeziehung aller Beschäftigten eines Unternehmens. Partizipation meint die aktive Einbindung und Ermöglichung von Mitbestimmung. Die Beschäftigten werden als eigentliche Expertinnen ihrer Arbeitssituation systematisch in die gesundheitsfördernden Aktivitäten miteinbezogen.
  • Systematische Vorgehensweise: Projektmanagement. Keine Aktion ohne Diagnose. Alle Maßnahmen sollen systematisch durchgeführt werden. Im Ablauf sollte demnach die Elemente Bedarfsanalyse, Prioritätensetzung, Planung, Ausführung, kontinuierliche Kontrolle und Bewertung der Ergebnisse enthalten.
  • Integration in das Unternehmen: ist in die UNpolitik und in die bestehenden Organisationsstrukturen und –Prozesse zu integrieren.
  • BGF als Führungsaufgabe: Führungsstil und Führungskultur haben direkte Auswirkungen auf die subjektive Gesundheit der Mitarbeiterinnen. Rolle und Unterstützung der Führungskräfte ist erfolgskritisch.

 

Nutzenaspekte von BGF:

Ebene der Mitarbeiterinnen:

  • Vorbeugung und Verringerung gesundheitlicher Beschwerden
  • Wohlbefinden und Motivation bei der Arbeit.
  • Gesunde Basis für Arbeit, Familie und dritten Lebensabschnitt

Ebene des Betriebs

  • Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit
  • Produktivitätssteigerung
  • Qualitätsverbesserung
  • Kommunikationsverbesserung
  • Kostenreduktion von Fehlzeiten (ROI 1:2,5 bis 1:10; Reduktion
  • Imageaufwertung
  • Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz langfristig verbessern
  • Unternehmensbindung herstellen und halten
  • Innere Kündigung vermeiden
  • Arbeitsbedingte Belastungen senken
  • Fachkräfte finden und halten
  • Employer Branding
  • Betriebsklima verbessern
  • Wettbewerbsfähigkeit steigern

Gesellschaftliche Ebene

  • Weg von Reparaturansatz hin zu mehr Vorbeugung und Gesundheitsförderung
  • Eindämmung der Kosten für die Sozialversicherung

 

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM):

BGM ist die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung betrieblicher Strukturen und Prozesse, um Arbeit, Organisation und Verhalten am Arbeitsplatz gesundheitsförderlich zu gestalten. Sie sollen den Beschäftigten und dem Unternehmen gleichermaßen zugutekommen. (Badura et al. 1999)

BGM ist die systematische Zusammenfassung der Aktivitäten zur Verbesserung von Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und –förderung im Betrieb. Es umfasst folgende Tätigkeiten:

  • Die Analyse der Belastungs- und Gefahrensituation (lt. Arbeitsschutzgesetz)
  • Qualifizierung der Beschäftigten zu sicheren und gesundheitsgerechten Arbeitsweisen
  • Verankerung des Themas „Gesundheit“ in den betrieblichen Führungsstrukturen, Integration in den Managementkreislauf
  • Maßnahmen zur Gestaltung von Arbeitssystemen unter Berücksichtigung ergonomischer Aspekte („menschengerechte Arbeitsgestaltung“)

 

Führungskräfte gestalten maßgeblich die Arbeitsbedingungen. Sie haben einen direkter und indirekten Einfluss auf das Wohlbefinden und vor allem auf die psychosoziale – Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und der Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage. Ebenso gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und Arbeitszufriedenheit.

Eine gesunde Organisation erkennt man daran, wie hoch das Ausmaß sozialer Ungleichheit ist, an der Unternehmenskultur (gemeinsamen Werte, Überzeugungen, Regeln), Entscheidungs- und Prozesstransparenz für alle MitarbeiterInnen, Stabilität und Qualität der sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz, der Team- und Abteilungsübergreifenden Vernetzung, Vertrauen und Zusammenarbeit, Commitment der MitarbeiterInnen zu Aufgaben und Unternehmenszielen, fachlichen Qualifikation der MitarbeiterInnen und der sozialen Kompetenz.

„Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Kreativität und Innovationskraft eines Menschen hängen maßgeblich von seiner körperlichen Gesundheit und seinem seelischen Wohlbefinden ab.“

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