Betriebliche Gesundheit ist ein quantifizierbarer Kostenfaktor

Österreichischen Unternehmen entstehen jedes Jahr hohe Belastungen durch die Beeinträchtigung der betrieblichen Gesundheit. Diese Gesamtbelastung resultiert zum einen aus den im Krankheitsfall eines Mitarbeiters anfallenden Lohnfortzahlungen, zum anderen aus den durch fehlende Wertschöpfung verursachten Opportunitätskosten.[1]Die unselbständig Beschäftigten waren im Jahresverlauf durchschnittlich 12,3 Tage im Krankenstand. Dieser Wert entspricht einer Krankenstandsquote, d. h. einem Verlust an Jahresarbeitstagen, von 3,4%.[2] Aufgrund der Untererfassung von kurzen Krankenstandsepisoden (bis zu drei Tagen) liegt die Krankenstandsquote in Wirklichkeit etwas höher, als aus der Statistik hervorgeht. Auch ohne eine vollständige Erfassung sind Kurzkrankenstände sehr häufig: 2014 dauerten 39% aller erfassten Krankenstandsfälle weniger als vier Tage. Gemessen an der Summe der Krankenstandstage ist ihr Gewicht aber gering (weniger als 8% aller krankheitsbedingten Fehlzeiten), weshalb ihre Untererfassung eine Unschärfe darstellt, die Statistik aber nicht stark verzerrt. Längere Krankenstandsepisoden sind selten − nur 13% aller Fälle dauern länger als zwei Wochen. Dennoch verursacht diese vergleichsweise geringe Anzahl an Krankenstandsepisoden einen erheblichen Teil der Fehlzeiten (gut 60%).

In 2013 zahlten die Arbeitgeber laut Angaben des Sozialministeriums in Summe 2,8 Mrd. € an Entgeltfortzahlungen. Weitere 626 Mio. € wurden von den Sozialversicherern in Form von Krankengeld ausbezahlt. Damit beliefen sich die direkt zuordenbaren Krankenstandskosten in Summe auf 3,4 Mrd. € oder 1,1% des BIP. Die krankheitsbedingten Abwesenheiten vom Arbeitsplatz führen zudem zu Wertschöpfungsverlusten und gegebenenfalls zu anderen betrieblichen Kosten (z. B. weil die Produktivität sinkt oder Ersatzarbeitskräfte gesucht werden müssen), die über die direkten Entgeltfortzahlungskosten hinausgehen. Diese Kosten sind schwer quantifizierbar, sie schwanken stark in Abhängigkeit vom Konjunkturzyklus (d. h. dem Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten) und von der betrachteten Branche und Betriebsgröße. Unter stark vereinfachenden Annahmen kann geschätzt werden, dass infolge der krankheitsbedingten Fehlzeiten zusätzlich zu den Lohnersatzkosten indirekte betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten in der Höhe von 0,9% bis 1,8% des BIP entstehen. Die Wertschöpfungsverluste entsprechen somit einem Wert bis zu 5,9 Mrd. €.[3]

Damit lag die Gesamtbelastung der österreichischen Unternehmen durch Entgeltfortzahlung bei ca. € 2,8 Mrd. Die Opportunitätskosten durch verlorengegangene Wertschöpfung lagen bei rund 5,9 Mrd. Insgesamt erwachsen österreichischen Unternehmen somit jährlich Belastungen von € 8,7 Mrd. durch die Beeinträchtigung der betrieblichen Gesundheit.

Diese Betrachtungsweise erfasst jedoch nur die direkten Krankheitsausfälle (Abwesentismus). Die zusätzliche Reduktion der Produktivität durch anwesende Mitarbeiter mit eingeschränktem Gesundheitszustand (Präsentismus) lässt eine noch höhere tatsächliche Belastung vermuten.

Der krankheitsbedingte Ausfall der Mitarbeiter bzw. der Zustand der betrieblichen Gesundheit ist für Unternehmen ein signifikanter Kostenfaktor, der in seiner Höhe quantitativ abgeschätzt werden kann. Die wirtschaftliche Signifikanz des Themas für Unternehmen soll im Zuge einer Umfrage bei österreichischen ATX Unternehmen im Sommer 2016 erhoben werden. Die zu erhebenden Daten sollen Auskunft geben, inwieweit Unternehmen durch krankheitsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern in ihrem Erfolg eingeschränkt sind. Weiters soll die durchschnittlich krankheitsbedingten Kostenbelastung je beschäftigten Mitarbeiter, die Bedeutung krankheitsbedingter Ausfälle in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße, sowie die Zahlung, die Unternehmen in die betriebliche Gesundheitsprävention investieren, erhoben werden.

Quelle:

[1] BCG The Boston Consulting Group GmH: Corporate Health Management im Umbruch, Herausforderungen und neue Strategien; 2012

[2] WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung): Fehlzeitenreport 2015;

[3] WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung): Fehlzeitenreport 2015;

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