Chancen und Dilemma der Prävention

Prävention stand im Mittelpunkt der von STANDARD und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger organisierten Diskussionsrunde im Vorfeld des Weltgesundheitstages am 7. April 2016. Die steigenden Zahlen von Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck und Rückenschmerzen sind der Beweis dafür. Österreichs Gesundheitsexperten sind besorgt und diskutieren über Potenzial und Schwierigkeit von Krankheitsprävention. Während die Menschen immer länger leben, erhöht sich die Zahl der Jahre, in denen sie in Gesundheit leben, nicht. Rechtzeitig handeln, Gesundheit fördern, Krankheiten vermeiden, lautet die Formel für die Gesundheitsförderung.

In Österreich beliefen sich die Gesamtausgaben für Gesundheit im Jahr 2012 auf 11,1 % des BIP und lagen damit um knapp 2 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt (9,3%). Den mit Abstand höchsten Anteil der Gesundheitsausgaben an der Wirtschaftsleistung verzeichneten die Vereinigten Staaten (16,9%), gefolgt von den Niederlanden (11,8%), Frankreich (11,6%) und der Schweiz (11,4%). Der öffentliche Sektor finanziert in den meisten OECD-Staaten den Großteil der Gesundheitsausgaben. Dies trifft auch auf Österreich zu, wo der Anteil der öffentlichen Hand mit 76% leicht über dem OECD-Durchschnitt von 72% liegt.

Für die Prävention wurden jedoch nur 1,5% des BIP verwendet. (OECD Durchschnitt 3%). Den Nutzen von Investitionen  sieht man oft erst in 10 bis 15 Jahren. Dies ist für eine in Wahlperioden agierende Politik nicht besonders reizvoll.

Die Gesundheitsausgaben werden in den nächsten Jahren steigen. Relevante Faktoren dafür sind der demographische Umbau der Bevölkerung in Richtung erhöhter Lebenserwartung, Zunahme chronischer Erkrankungen und Multi-Morbidität, Behandlungsfortschritte, teure Technologien, Inflation am Gesundheitssektor, und steigender Patienten Nachfrage. Bereits mehr als 2/3 aller Krankheiten sind nicht-übertragbare chronische Erkrankungen. Es gibt 600.000 Diabetiker, 1,5 Millionen Bluthochdruckpatienten, 1,75 Millionen haben Rückenbeschwerden.

Gesundheitsstatus und Risikofaktoren

Im Jahr 2012 lag die Lebenserwartung bei Geburt für die gesamte Bevölkerung in Österreich bei 81,0 Jahren und damit um nahezu ein Jahr über dem OECD-Durchschnitt von 80,2 Jahren. Unter den OECD-Ländern ist die Lebenserwartung in Japan (mit 83,2 Jahren) am höchsten, gefolgt von Island (83,0 Jahre) und der Schweiz (82,8 Jahren). Der Alkoholkonsum in Österreich ist mit 12,2 Litern reinem Alkohol je Erwachsenem 2011 höher als in allen anderen OECD-Ländern mit Ausnahme von Estland. Im OECD-Durchschnitt lag der Alkoholkonsum im Jahr 2011 bei neun Litern.

Fettleibigkeit hat in den letzten Jahrzehnten in allen OECD-Ländern zugenommen, wenngleich es zwischen den einzelnen Ländern nach wie vor erhebliche Unterschiede gibt. In Österreich waren 2006, dem letzten Jahr, für das Daten vorliegen, 12,4% der Erwachsenen fettleibig (Eigenangabe).  Die zunehmende Verbreitung von Fettleibigkeit wird einzelne Gesundheitsprobleme, etwa Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen, in Zukunft wahrscheinlich verstärken und die Kosten der Gesundheitsversorgung erhöhen.

Gesundheitskompetenz ist ein wichtiges Schlagwort. – Die Schaffung für mehr Gesundheitsbewusstsein soll schon bei Kindern und Jugendlichen beginnen, denn dort würden die Grundsteine gelegt werden. Nachhaltige Verhaltensänderungen ab einem bestimmten Alter sind nur erschwert möglich. Generell ist das Problem eher weniger das Fehlen von Informationen, sondern die schwierige Aufgabe ist es, Wissen so zu vermitteln, dass sie zu einer Verhaltensänderung beim Patienten führt. Im Prinzip ist gesunde Bewegung und Ernährung leistbar, in vielen Bereichen der Gesellschaft fehlen jedoch die positiven Anreize.

Quelle: 

OECD 2015 www.oecd.org/els/health-systems/Briefing-Note-OSTERREICH-2014-in-German.pdf

Bernadette Redl: Lebensstil kann krank machen; der Standard;  9.4.2016; http://derstandard.at/2000034473541/Lebensstil-kann-krankmachen-Probleme-gesunddenken?ref=nl&userid=93568&nlid=16

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