Fehl:Zeit unter der Lupe!

Auch-eine-Fehlzeit-von-durchschnittlich-17-4-Wochen-im-Jahr-muss-als-Kuendigungsgrund-noch-nicht-ausreichen

Die Österreicher waren 2014 im Durchschnitt rund 12,3 Tage krank. Dies entspricht einer Krankenstandsquote von  3,5%. Das war schon einmal mehr. Der Höchststand wurde 1980 erreicht und lag damals bei 17,5 Tagen bzw. 4,8%. Das niedrigste Niveau verzeichnete man 2006 (3,3%).  Die Krankenstandsquote gibt den Verlust an Jahresarbeitstagen an. Die Krankenstandsquote ist der Anteil an krankheitsbedingten Fehltagen gemessen an allen Arbeitstagen eines Jahres. Trotz einiger Abweichungen folgen die Krankenstandsquoten von Männern und Frauen dem gleichen Muster.

Beim Vergleich der Krankenstandsquote nach Bundesländer sind Salzburg, Tirol und Vorarlberg deutlich unter dem Österreichschnitt von 3,5%. Niederösterreich (3,8%) und Wien (3,7%) deutlich darüber.

Häufigkeit und Dauer der Krankenstandsfälle nach Alter: Ältere Arbeitskräfte treten zwar seltener als die Jungen einen Krankenstand an, sie sind jedoch überproportional oft von langen Krankenstandsfällen betroffen. Entscheidend ist daher auch der Gesundheitszustand in der letzten Erwerbsphase.

Krankenstandsquote nach Betriebsgröße: Die Krankenstandsquote steigt mit der Betriebsgröße. Ab 100 Arbeitnehmern aufwärts bleibt der Wert allerdings stabil. Unterschiede zeigen sich auch zwischen verschieden großen Unternehmen derselben Branche.

Krankenstandsquote nach Branchen: Eine auffällig hohe Krankenstandsquote hat die öffentliche Verwaltung (4%), gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (3,8%), im Vergleich dazu die Land- und Forstwirtschaft die fast geringste Branche mit 2,4. Handel 3,2, Gastgewerbe 3,1 und Baugewerbe 3,8.

Entwicklung der Unfallquote. In einer langfristigen Betrachtung sind die Arbeitsunfälle deutlich zurückgegangen. Häufigkeit von Arbeitsunfällen zwischen 1974 und 2010 ist um 50% gesunken.

Während jüngere Arbeitnehmerinnen häufiger arbeitsunfähig werden, dauern diese Perioden bei älteren länger. Dies ist neben den beruflichen Belastungen insbesondere auf gesundheitsschädliche Verhaltensformen jüngerer Generationen zurückzuführen.

Ursachen der Fehlzeiten: 40% aller Krankenstandstage: Erkrankungen des Muskeln-Skelett-Apparates (v.a. Rücken ist betroffen, z.B ergonomische Fehlbelastungen durch Stress) sowie obere Atemwege. Jeder 5. Krankenstandstag ist auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen. Psychische Erkrankungen nehmen von einem niedrigen Niveau zu. Krankheiten des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes nehmen mit steigendem Alter stark zu. Ältere Arbeitskräfte treten zwar seltener als die Jungen einen Krankenstand an, sie sind jedoch überproportional oft von langen Krankenstandsfällen betroffen. (Quelle: WIFO-Fehlzeitenreport 2015).

Bei den Fehlzeiten werden nur gemeldete Fehlzeiten erfasst. Erfordert der Arbeitgeber kein Attest „Arbeitsunfähigkeits-Bestätigung“ in den ersten 3 Tagen, dann werden diese Fehlzeiten nicht erfasst.

Die Invalidität bei jüngeren Arbeitnehmern ist stark durch Inzidenz von psychischen Erkrankungen geprägt.

Erkrankungen der Psyche: Die Psyche ist die einzige Krankheitsgruppe, die zwischen 1966 und 2013 einen absoluten Zuwachs an Fehlzeiten verzeichnete. (Anteil an Krankenstandsfällen: 2,5% Anteil an Krankenstandstagen 9,4%; Dauer der Fälle Durchschnittlich 38,7 Tage pro Fall. Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache von Neuzugängen in die Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension. Depression, Stress und Angstkrankheiten zählen zu den gesundheitlichen Problemen, die am häufigsten von Beschäftigten im Zusammenhang mit ihrer Erwerbstätigkeit erwähnt werden. Bei älteren MitarbeiterInnen steigen die psychischen Erkrankungen stärker.

Über 40% der Invaliditätspensionisten waren in den letzten vier Jahren kumuliert ein Jahr oder länger in Arbeitslosigkeit.

Trend zur Verkürzung der Dauer der Krankenstandsfälle. Kurzkrankenstände (bis zu 3 Tagen) stellen 39% aller erfassten Krankenstandsfälle dar. Es ist dabei von einer Untererfassung in der Statistik auszugehen. Kurzkrankenstände spielen dennoch für die Krankenstandsquote eine untergeordnete Rolle (unter 8% aller krankheitsbedingten Fehlzeiten). Längere Krankenstandsepisoden sind selten. Nur 13 % aller Fälle dauern länger als zwei Wochen, verursachen aber einen erheblichen Teil der Fehlzeiten, nämlich 60%.

Schlussfolgerungen:

Gesund durchs Arbeitsleben sollte im Interesse der Mitarbeiterinnen und Betriebe sein. Ausbau der betrieblichen Gesundheitskompetenz und –förderung.

Arbeitstrends:

  • Arbeit wird komplexer und verantwortungsreicher
  • Alternde Belegschaften in den Unternehmen
  • Lebensarbeitszeit erhöht sich (Allg. Pensionsgesetz: 65 Jahre = einheitliches Anfallsalter für Alterspension für Männer und Frauen, wird für Frauen geboren ab 1963 ab dem Jahr 2024 schrittweise angehoben)
  • Arbeitsbedingungen beeinflussen die Gesundheit der Beschäftigten (positive und negative Effekte sind möglich!)
  • Zeitdruck ist die Hauptursache für negative psychische Belastungen
  • Nur die Hälfte der älteren Arbeitnehmerinnen glaubt bis 65 durchzuhalten. (Quelle: Arbeitsklima Index AK OÖ, IFES 2011-2012)

Als Psychosoziale Risiken für die Gesundheit werden in einer Befragung folgende Faktoren genannt: hohe Anforderungen, hohe Arbeitsintensität, emotionale Anforderungen, geringe Selbstbestimmung, ethische Konflikte, schlechte soziale Beziehungen sowie Beschäftigungs- und Arbeitsplatzunsicherheit. (Quelle: Fünfte Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen (EWCS), 2012. Alle 5 Jahre wird von Eurofound in 34 europäischen Ländern durchgeführt. 44.000 Erwerbstätige (Beschäftigte und Selbständige) befragt.).

Österreichischer Arbeitsklima-Index. Vierteljährliche Befragung von 4.000 Arbeitnehmerinnen (repräsentativ) seit 1997. Quelle: Arbeitsklimaindex, 2015

Arbeitsgesundheitsmonitor: Seit 2009 einmal jährlich veröffentlicht; 4000 face-to-face Interviews im Rahmen der IFES Mehrthemenumfrage. Beschäftigte in Jobs mit hohen körperlichen Belastungen sind auch psychisch stark belastet.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Belastung und Beschwerden. Bei empfundener Belastung u.a. durch Vorgesetzte (auch bei Belastung durch Kolleginnen, Zeitdruck) sind hoher Blutdruck, Verdauungsbeschwerden und Kreuzschmerzen häufiger, als wenn diese Belastung nicht gegeben ist. Quelle: Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor, April 2012, S. 29

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