Wieso kann Health Literacy für Unternehmen ein Thema sein? – Ergebnisse einer Umfrage

In österreichischen Gesundheitseinrichtungen ist Gesundheitskompetenz zur Zeit ein vieldiskutiertes Thema – quasi „on Walk“, aufgerüttelt vor allem nach der HLS-Studie wo Österreich am vorletzten Platz gelandet ist. (Pelikan et al. 2012) Im Gesundheitsbereich sind hier bereits viele Einrichtungen aufmerksam geworden und es werden zahlreiche Projekte in Angriff genommen. Unternehmen, die auf betrieblicher Ebene aktiv geworden sind, gibt es hingegen noch wenige.

Im Zeitraum April-Juni 2019 wurden fünf leitfadenbasierte Interviews zum Thema inwieweit Gesundheitskompetenz für einen Betrieb relevant sein kann, sowie die Rolle der Betriebsärzte in einem gesundheitskompetenten Unternehmen mit Fokus auf die Gesundheitskompetenz im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung durchgeführt.

Stellenwert der Gesundheit:

Der Stellenwert der Gesundheit ist in den befragten Unternehmen generell sehr hoch, mit Angaben wie „nach dem Umsatz und dem Deckungsbeitrag an dritter Stelle“. In Unternehmen/Organisationen wo die Belastungen durch Schichtarbeit, Nacht- und Wochenenddienste erhöht sind, wünschten sich die MitarbeiterInnen, dass „gut auf sie geschaut wird“. Hier sind Themen wie „Stressreduktion“, „wo kann ich mich hinwenden, wenn mich etwas belastet“ zum Beispiel von großem Interesse.

Stellenwert der Gesundheitskompetenz:

Das Thema Gesundheitskompetenz hat bislang kaum einen Stellenwert in Unternehmen. In einigen Unternehmen wurde es zwar von der Geschäftsführung aufgegriffen, auf der MitarbeiterInnenebene ist es jedoch bis jetzt kaum angekommen.

Bei allen befragten Unternehmen ist das Thema Gesundheitskompetenz auf Geschäftsführer-Ebene bzw. im Qualitätsmanagement angesiedelt. Ein wichtiger Aspekt eines Interviewpartners ist, dass die Abteilungsleiter in der Umsetzung der Maßnahmen eine große Vorbildwirkung haben.

Im Moment gibt es noch keine klare Trennung zwischen den Aufgaben der BGF und der Gesundheitskompetenz. Die MitarbeiterInnen in einem interviewten Unternehmen haben mit dem Thema Gesundheitskompetenz Vorsorgeuntersuchungen verbunden. Ebenso führten die befragten Unternehmen HRV- und BIA-Messungen sowie Nordic-Walking- Veranstaltungen im Zuge des Gesundheitskompetenz Projektes durch. Bei klarer Trennung sind das eigentlich Aufgaben der BGF, haben allerdings im weiteren Sinne das gleiche Ziel. Der Begriff der Gesundheitskompetenz ist generell sehr schwer zu verstehen. Vor allem für die Berater oder Projektleiter, die die Betriebe akquirieren wollten, stellte der Begriff eine große Hürde dar. Im Englischen ist die Definition enger gefasst. Da gibt es den Literacy- Begriff und jeder weiß, was er bedeutet. Im Deutschsprachigen ist der Begriff weder leicht verständlich noch verbreitet. Personen, die bislang keinen Bezug dazu hatten, wissen großteils auch nicht, was genau zu verstehen ist. Abgesehen davon, ist der Wortteil „Kompetenz“ sehr hochschwellig, und steht somit in Widerspruch zum Begriff Gesundheitskompetenz, die eher niederschwellig sein sollte. Das Verständnis einer (betrieblichen) Gesundheitskompetenz ist unter den Befragten daher ein sehr unterschiedliches.

Das Projekt Gesundheitskompetenz wird genutzt, um neue Möglichkeiten zu erhalten, wie die Mitarbeiter auch in Richtung Eigenverantwortung ein Stück weit stärker unterstützt werden können. Für die interviewten Unternehmen ist die Gesundheitskompetenz interessant, weil es dabei um die individuellen Entscheidungen geht. Ein wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit der Imageverbesserung. Zum einen meinen die Befragten, dass man – im Vergleich zu anderen Unternehmen – ein attraktiverer Arbeitgeber ist und zum zweiten können sie sich vorstellen, dass die MitarbeiterInnen dann auch leistungsfähiger sind. Ein Befragter gab an, dass das Thema Gesundheitskompetenz bei jeder Stellenausschreibung mitangeführt und in jedem Bewerbungsgespräch ein wesentlicher Punkt ist, der aktiv angesprochen wird und somit ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Ausschreibungen darstellt. Gesundheit ist ein prognostizierter Megatrend für die nächsten 10-20 Jahre. Dem als Arbeitgeber nicht zu folgen, könnte sich als wesentlicher Nachteil erweisen. In der BGF ist es schwer, die benachteiligten Gruppen zu erreichen. Die Gesundheitskompetenz öffnet hier Möglichkeiten, auch Gruppen zu akquirieren, die für BGF bislang kein Interesse zeigten.

Durchführung im Eigeninteresse oder als moralische Verpflichtung der öffentlichen Hand:

Die Aufgabenstellung der Gesundheitskompetenz wird ausschließlich im Eigeninteresse durchgeführt. Die wenigen österreichischen Unternehmen, die bereits Projekte in Richtung Gesundheitskompetenz unternehmen, verfolgen diese grundsätzlich aus Eigenmotivation. Sie haben ein Bedürfnis etwas zu verändern und zu tun und sie wollen das, weil sie Gesundheitskompetenz als ein wichtiges Thema für ihr Unternehmen betrachten. Wenn man das Konzept richtig versteht, dann ist es auch ganz klar, betriebliche Gesundheitskompetenz umsetzen zu wollen, weil es für die MitarbeiterInnen Erleichterungen gibt, wenn z. B. „die Gesundheits-Informationen“ auffindbar und verständlich sind.

Ausgerechnet was es bringen könnte, beispielsweise in Richtung ROI haben sich das die befragten Unternehmen (noch) nicht. Für einige Unternehmen war es ein wichtiger Anreiz, dass beispielsweise die Stadtgemeinde das Projekt in Richtung Publicity mit Berichterstattungen in den regionalen Medien unterstützt hat, wo die Betriebe natürlich auch mit Namen genannt wurden, was zur Imageverbesserung der Unternehmen beiträgt.

Motive und Anreize:

Mit Sicherheit ist ein wesentlicher Aspekt und Anreiz der befragten Unternehmen, dass der Gesundheitsfonds der Steiermark durch Projekt-Förderungen den Bereich der betrieblichen Gesundheitskompetenz mitunterstützt. Als Einstieg eine „super Sache“, weil sehr viele schwierige Barrieren vor allem zu Beginn vorhanden sind, die sich durch die Bereitstellung von externen Beratern oder Projektbegleitungen reduzieren lassen. Wobei die UnternehmensvertreterInnen auch anmerkten, dass eine Investition darüber hinaus unumgänglich ist. Alle befragten Unternehmen arbeiten mit Institutionen (z. B. Fachhochschulen, SVB etc.) zusammen. Publicity und Imagegewinn sind für einige ein wichtiger Anreiz. Ebenso von Bedeutung ist der Aspekt in der Region sichtbar zu sein als gesundheitskompetenter Betrieb.

Projektpartner sowie unterstützende Maßnahmen der öffentlichen Hand:

Sozial- und Krankenversicherungen sind bereits wichtige Projektpartner der interviewten Unternehmen. Wer als weiterer Partner vorstellbar ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während sich einige der Befragten durchaus die Gebietskrankenkasse, die Wirtschaftskammer (Pflichtmitglied), vor allem in einer gelenkten Form der Projektbegleitung bzw. –unterstützung vorstellen können, sehen andere wiederum nur die Bereitstellung finanzieller Mittel als sinnvoll. Sie würden eher fachliche ExpertInnen, die aus der Praxis kommen hinsichtlich, der Begleitung und Beratung bevorzugen. Auf jeden Fall und da waren sich alle Gesprächspartner einig sollten die genannten möglichen Projektpartner sich mehr engagieren, damit das Thema betriebliche Gesundheitskompetenz generell eine größere Attraktivität erfährt, beispielsweise durch die Bereitstellung von Leitfäden und Tools sowie durch Info-Kampagnen, um mehr Bewusstsein für den Begriff „Gesundheitskompetenz“ zu schaffen, damit das Thema von den Unternehmen grundsätzlich verstanden und im weiteren auch aktiv aufgegriffen wird. Da gibt und gab es in der BGF bislang mehr Anstrengungen als im Bereich der Gesundheitskompetenz.

Angebot oder Einmischung in private Angelegenheiten

Das Engagement im Bereich betrieblicher Gesundheitskompetenz wird von den Mitarbeitern durchwegs positiv empfunden, wobei zu Beginn meist eine übliche Skepsis vorhanden gewesen ist, dies vor allem deshalb da die Gesundheitskompetenz die Persönlichkeit der Mitarbeiter miteinbezieht, meistens bei jenen Punkten wo es darum geht, wie gut sie sich im Gesundheitssystem auskennen, oder ob sie wissen an wen sie sich bei Problemen wenden können.

 

Maßnahmen

Die Maßnahmen wurden fast in allen Unternehmen partizipativ unter Beteiligung der MitarbeiterInnen in Form von Workshops oder basierend auf dem Selbstbewertungsinstrument zum Wiener Konzept Gesundheitskompetenter Krankenbehandlungsorganisationen entwickelt (Dietscher, Lorenc et al. 2015). Es wurde verglichen welche Standards bereits umgesetzt sind und wo es sich lohnt, noch genauer hinzuschauen bzw. wo es noch Potential nach oben gibt. Es wurden „Walking Interviews“ durchgeführt. In Begehungen durch die Organisation wurde geschaut, wo Barrieren in der Orientierung sind oder es Schwierigkeiten im Auffinden von Informationen gibt. Für Fragen wie „Was ist immer wieder ein Problem?“ wurden Lösungen unter der Beteiligung der Mitarbeiter erarbeitet. Es wurde ein Bericht verfasst und an die Managementebene weitergegeben, mit der Aufforderung und Einladung sich die Themen anzuschauen und zu bearbeiten. Da die im Betrieb tätigen Mitarbeiter das Unternehmen bzw. die Organisation aus anderer Perspektive als das Management sehen und nutzen, ist deren Beteiligung wesentlich.

Es sind Betriebsnetzwerktreffen und Schulungen sowie Online-Schulungen in Form eines MOOC (Message open online Courses) zu den Themen „Gesundheitskompetenz“, „Stressbewältigung“, „Generationenkonflikte“, sowie „Bedeutung der Gesundheitskompetenz im täglichen Tun und Leben“, „wohin bei psychischen Problemen, wohin kann ich mich wenden, wo finde ich vertrauenswürdige Informationen?“ geplant und bereits erfolgreich eingeführt worden. Als Inhalte einer Gesundheitskompetenz-Schulung wurden genannt: „Erklärung der Gesundheit mittels dem Determinanten-Modell“, „Einstieg in Gesundheitskompetenz“, „Was ist der Unterschied zu Gesundheit und Gesundheitskompetenz“, „Warum ist es wichtig Eigenverantwortung zu übernehmen“ sowie „betriebliche Gesundheitskompetenz, was bringt das, wo kann ich auch für mich hier einen Nutzen daraus ziehen und wie kann ich es an den Mann oder an die Frau bringen“.

Als Maßnahmen wurde die „Bereitstellung von guten Gesundheitsinformationen genannt“. Das befragte Unternehmen hat sich damit beschäftigt, was eine gute Gesundheitsinformation ausmacht, basierend auf den Kriterien, die es diesbezüglich gibt. Voraussetzung war, dass die Information beispielsweise mit Quellen belegt ist, dass es nachvollziehbar ist woher die Quelle kommt, dass man unterscheiden kann, ob es eine Werbung der Industrie oder eine unabhängige Information (Quelle eines Non-Profit-Unternehmens) ist. Ist die Information verständlich, ist die Information geschlechterneutral aufbereitet, wird mit realen Zahlen gearbeitet oder mit statistischen Werten, die je nach Auftraggeber unterschiedlich interpretiert werden können. In Übungen wurde dann überprüft, inwieweit die Information angekommen ist. Es wurde mit den Mitarbeiterinnen trainiert zu erkennen, ob eine Informationsquelle nur Verkaufszwecken dient oder ob es sich um eine objektive Information handelt.

Evaluation:

Der Großteil der befragten Unternehmen führt eine Evaluation durch, in Form von Selbst- und Fremdevaluation oder mittels Fragebogen. Zum Teil wird das ganze Projekt evaluiert, zum Teil einzelne Maßnahmen. Eine Evaluation der Gesundheitskompetenz ist jedoch nicht zu unterschätzen, denn sobald man versucht die Gesundheitskompetenz zu messen wird es zu einem Wissenstest und der stellt ja wiederum nur auf das Individuum ab und nicht unbedingt auf das System. Abgesehen davon ist es unangebracht, wenn Wissensfragen für eine Evaluation gestellt werden. Eine Möglichkeit, ein Unternehmen zu evaluieren inwieweit es seine Gesundheitskompetenz verbessert hat, wären beispielsweise „Walking Interviews“ – wo geschaut wird, wie sich die MitarbeiterInnen im Unternehmen zurechtfinden und was zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz beiträgt. Und natürlich kann man sich ein Leitbild bzw. die Guidelines anschauen und dann die MitarbeiterInnen sowie das Management dahingehend betrachten, wie sehr die Gesundheitskompetenz im Unternehmen gelebt wird.

Erfolg/Fehlinvestition:

Die befragten Unternehmen waren sich einig, dass, um die Gesundheitskompetenz in ein Unternehmen hineinzubringen, es immer eine Entscheidung von oben braucht, sonst wird das Thema nicht in die Organisation integriert. Ebenso von Bedeutung ist, dass die Gesundheitskompetenz von der Führungsebene sichtbar für alle gelebt werden muss und dass die Umsetzung in einem multidisziplinären Team erfolgt. Empfehlenswert ist es, zum Einstieg einfache greifbare Maßnahmen zu realisieren, womit der erste Schritt leichtfällt und die Barrieren minimiert werden. Damit die Gesundheitskompetenz nachhaltig über die Projektlaufzeit weitergeführt werden kann, gibt es Gesundheitskompetenz-Verantwortliche, die für jeden Standort bzw. jede Abteilung definiert und gefunden werden. Jene werden kontinuierlich intensiver auf das Thema geschult dahingehend Gesundheitskompetenz in ihren Bereichen sukzessive weiterzuführen.

Wichtig ist eine gute Aufklärung, hinsichtlich des Begriffes Gesundheitskompetenz. Ein Leitfaden, wie Betriebe an das Thema herangehen könnten oder Richtungsweisungen erleichtern es das Thema in ein Unternehmen zu integrieren. Es fängt alles an mit einer Status-quo-Erhebung, einen groben Überblick zu schaffen um zu sehen, wo steht der Betrieb überhaupt, gibt es Bereiche wo sich das Unternehmen intensiver auseinandersetzen muss, wo ist mehr zu, oder ist das Unternehmen eh schon ganz gut dabei?

Eine wissenschaftliche Grundlage, die klar und deutlich und verständlich den Nutzen und die Fakten eines betrieblichen Engagements im Bereich der Gesundheitskompetenz darstellt, ist von Vorteil, ebenso Best-Practice-Beispiele zu zeigen, an denen Unternehmen sich orientieren können. Das Thema Gesundheitskompetenz muss noch greifbarer werden. Bei den befragten Unternehmen handelte es sich um Modellversuche. Trotzdem war von höchster Relevanz einen Nutzen des Projektes zu erkennen und diesen aufzuzeigen.

Die Gesundheitskompetenz wird derzeit nur am Individuum gemessen obwohl bekannt ist, dass das Umfeld und das gesundheitspolitische System die Gesundheitskompetenz darüber hinaus beeinflusst.

Die Berater und Experten haben die Erfahrung gemacht, dass meistens im Vorfeld die Haltung der Unternehmen so ist, dass sie meinen schon „gut bei Gesundheitsthemen zu sein“, und es darf nicht der Eindruck entstehen, dass einem „hier etwas übergestülpt wird“, weil sie etwas schlecht machen und sie müssen das jetzt besser machen. Vor allem bei Gesundheitsbetrieben sollten Experten aufpassen, um sie nicht in ihrer Kompetenz anzuzweifeln.

Wichtig ist im Vorfeld zu klären, was grundsätzlich die Bedürfnisse der Mitarbeiter bzw. im Weiteren auch der Kunden des jeweiligen Betriebs sind? Was sind die körperlichen Herausforderungen im jeweiligen Feld? Wenn man sich als Beispiel einen Supermarkt ansieht: Der hat Verkäuferinnen angestellt, wo der Bildungsstandard meist unter Maturaniveau ist. Hier besteht die Möglichkeit für die MitarbeiterInnen einfach zusammengefasste Informationen zu den wichtigsten Themen aufzubereiten. Ein Thema wäre zum Beispiel Kindergesundheit, da ein Großteil der Belegschaft Frauen sind, ebenso wie ich Pflegeurlaub nehmen oder mich krankschreiben lassen kann. „Wie viel Anspruch habe ich auf Pflegeurlaub?“. Verständliche Informationsmaterialien könnten zur Verfügung gestellt werden. „Wie kann ich, wenn ich in der Wursttheke arbeite eine Infektion mit einem Bakterium vermeiden?“, oder auch bei der Kassa „wie kann ich mich vor Infektionen schützen, wenn man mit so vielen Leute in Kontakt kommt?“.

Ob die Maßnahmen erfolgreich sind oder nicht, wird ganz klar davon abhängen, ob diese den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen. Abgesehen davon, braucht es einen für die Themen der Gesundheitskompetenz Beauftragten, der mit ausreichend Ressourcen ausgestattet sein muss, der eine Übersicht hat, immer wieder aktualisiert, evaluiert du laufend rückfragt. Ebenso wichtig ist natürlich die Beteiligung der MitarbeiterInnen. Diese sind zu befragen, was sie an Informationen benötigen. Die Verteilung eines Informationszettels ist nicht ausreichend. Vor allem weil es bei der Gesundheitskompetenz nicht nur um die reine Wissensvermittlung geht, sondern vielmehr darum, dass die MitarbeiterInnen lernen Informationen selbständig zu finden, zu verstehen und anzuwenden.

Wenig förderlich ist, wenn man das Projekt versucht auf Zeitdruck durchzuführen, mit möglichst wenig Ressourcen und dann gleich wieder fallen lässt, weil kein schneller Erfolg erzielt wurde.

Die Rolle der Betriebsärzte in einem gesundheitskompetenten Unternehmen

Inwieweit Betriebsärzte Agenden der Gesundheitskompetenz übernehmen wird zum Teil widersprüchlich gesehen. Betriebsärzte haben einen sehr pathogenetischen Zugang das steht im Widerspruch zum salutogenetischen Zugang der Gesundheitskompetenz. Ärzte sind in 99% der Fälle kurativ tätig und haben eine hohe Affinität zum Thema Krankheit, darum sind einige Interviewte davon überzeugt, dass Betriebsärzte eher ungeeignet sind Themen der betrieblichen Gesundheitskompetenz in Unternehmen zu übernehmen. Die Übernahme der Agenden für betriebliche Gesundheitskompetenz kommt einem Aufbrechen der Betriebsärzte gleich. Das Informieren, sowie die verständliche Kommunikation ist eine Aufgabe, die so den Ärzten, bislang nicht in die Wege geleitet wurden. Auch das Befähigen, die Wertschätzung und sozusagen die Ermutigung sich zu informieren, das wird noch einige Zeit brauchen bis es im ärztlichen Bereich angenommen wird. Wichtig ist es die Betriebsärzte nicht zu übergehen, sie in das Projekt von Anfang an zu integrieren und ihnen Agenden, wie klassische arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen anzuvertrauen.

Die Interviews wurden mit Schlüsselmitarbeitern in österreichischen Unternehmen sowie Organisationen durchgeführt, die Kenntnisse über die Gesundheitsinitiativen des Unternehmens besaßen. Die Auswertung der Interviews erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse. Als Auswertungssoftware kam MAXQDA zum Einsatz.

Die Unternehmen, die für Interviews zur Verfügung standen, waren vorwiegend Klein- und Mittelbetriebe in der Branche Handel und Dienstleistung. Unternehmen, die bereits ein Gütesiegel der BGF besitzen, waren eher die Ausnahme. Bei einigen Betrieben ist der primäre Fokus eigentlich die BGF-Schiene. Sie sehen die Gesundheitskompetenz als Sprungbrett um sich im Bereich BGF zu engagieren. Sofern sie bereits BGF zertifiziert sind nützen sie die Gesundheitskompetenz, um das Thema weiter zu bearbeiten. Generell sehen die interviewten Betriebsvertreter es als eine Chance, an einem Gesundheitskompetenz-Projekt teilzunehmen und stehen der Gesundheitsthematik sehr offen gegenüber. Die Haltung der Unternehmen dem Projekt gegenüber ist tendenziell abwartend. Eine gewisse Vision haben nur wenige Unternehmen im Vorfeld entwickelt. Die einzelnen Meetings werden besucht, um Schulungsinputs zu sammeln, um diese ggf. aufzubereiten und im eigenen Unternehmen anzuwenden.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.